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Professor Dr. Jürgen Beckmann über Fußball als mögliche HIV-Prävention in Townships in Südafrika

 Professor Dr. Jürgen Beckmann Professor Dr. Jürgen Beckmann
Foto: privat
Von Monika Kohut - Prof. Dr. Jürgen Beckmann ist seit 2007 Dekan der Fakultät für Sport und Gesundheitswissenschaft und Mitglied der erweiterten Hochschulleitung der Technischen Universität München (TUM).
Zuvor hatte er eine Professur in Potsdam. Er ist Betreuer der Junioren Golf Nationalmannschaft und außerdem Managementtrainer verschiedener Unternehmen.


„Mittels Fußball wollen wir Jugendliche in den Townships befähigen, Selbstführungs-kompetenz und Willensstrategien zu entwickeln. Sie sollen lernen, sich eigeninitiativ Ziele zu setzen und diese zu erreichen.“ Denkmodell und Begrifflichkeit stammten aus der Arbeits- und Organisationspsychologie, erläutert Beckmann. Hier unterscheide man zwischen dem ‚lage-’ und dem ‚handlungsorientierten’ Typus. Letzterer lasse sich durch die Monotonie seines Umfelds nicht lähmen, sondern suche nach Lösungswegen, auch wenn diese Risiken implizierten.

Der lageorientierte Mensch hingegen führe lediglich aus, also ‚re-agiere’ nur oder verhalte sich völlig passiv. Grübler seien typischer Weise lageorientiert. „Ein Grübler ist froh, wenn andere ihm den Weg zeigen. Es gelingt ihm nicht, sein Potential zu nutzen. Und genau darum geht es in den geplanten Fußballcamps. Hier wollen wir zukünftigen Mentoren, also ausgewählten Mädchen und Jungen im Alter von zirka 14 bis 18 Jahren, von denen wir glauben, dass sie Potential haben, helfen, ihre ‚Social Skills’ zu entwickeln.“

Fußball als ‚Trigger’ für einen Entwicklungsprozess

Die monotonen Lebensumstände in de Townships hätten bei den meisten Jugendlichen ein Defizit an Selbstmanagement und eine Handlungslähmung zur Folge; so seien sie beispielsweise nicht fähig, eigeninitiativ ihren Weg in den Arbeitsmarkt zu finden. Vor diesem Hintergrund betrachtet Beckmann Fußball als den perfekten Trigger für einen Persönlichkeitsentwicklungs-Prozess, der mehrere positive Aspekte hat.

„Zunächst einmal sind die Jugendlichen von der Straße weg; sie lernen ‚Self-Leadership’, das heißt, sie entwickeln Willensstärke und Selbstbewusstsein. Ihre Selbstkontrolle nimmt zu und ihre Manipulierbarkeit ab. Als Mentoren werden sie zudem zu ‚Role Models’, und diese Vorbildfunktion bedeutet auch eine Erhöhung ihres sozialen Status.“

Bei den weiblichen Jugendlichen sieht Beckmann dieses ‚Empowerment’ als ein zweischneidiges Schwert. “Wenn die Mädchen mit steigendem Selbstbewusstsein aufmüpfig werden, besteht durchaus die Gefahr, dass dieses Verhalten auf männlicher Seite Gewalt provoziert. Deshalb ist es wichtig, dass beim Fußball auch Werte wie Teamgeist, Toleranz, Fairness und Respekt eine große Rolle spielen.“

Der eigentliche Anstoß kam von Kathrin Walther

Bereits seit 2007 kooperiert die Fakultät für Sport und Gesundheitswissenschaft der TUM mit der Universität von Stellenbosch. Bernd Rosenkranz, der hier eine Professur hat, war ehemals in Potsdam ein Nachbar der Beckmanns. „Über Bernd Rosenkranz, der im Vorstand der Hope Cape Town Association & Trust ist, habe ich Stefan Hippler, den Gründer kennen gelernt. Hope ist mittlerweile auch in unser Projekt involviert.“

Den eigentlichen Anstoß aber habe die Triathletin Kathrin Walther gegeben, die während der hiesigen Wintersemester in Stellenbosch studiere und die Idee hatte, ihren Bachelor mit dem Thema ‚Prävention von HIV durch Sport’ zu machen. Bereits 2009 seien die ersten Gespräche zu diesem Thema geführt worden.

Die Validität der Befragung muss gewährleistet sein

„In der jetzigen, ersten Projektphase sind wir dabei, eine Befragung im Township Manenberg, das ausschließlich von Farbigen bewohnt wird, vorzubereiten.“ Schon diese anstehende Erhebung der benötigten Basisdaten stelle eine besondere Herausforderung dar, da man, um die Validität der Ergebnisse zu gewährleisten, mindestens 100 vollständig ausgefüllte Fragebögen brauche. Dies setze jedoch voraus, dass die Kinder und Jugendlichen Schreiben und Lesen könnten; keine Selbstverständlichkeit in Townships.

„Wir hoffen, eine ausreichende Anzahl von Jungen und Mädchen zur Teilnahme motivieren zu können, indem unsere Fakultät Sandwiches und Fruchtsaftgetränke spendet.“ Als zusätzliches Incentive sei eine Verlosung angedacht; möglicher Hauptgewinn: Ein Treffen mit einem Bafana-Bafana-Spieler.  

Deutscher Generalkonsul als Werbeträger

„Dank der vormaligen Vizepräsidentin der TUM, Prof. Dr. Hannemor Keidel, hat die Staatskanzlei das Projekt auf ihre Agenda gesetzt. Im Rahmen der Veranstaltung ‚Bavaria meets Western Cape Expo 2010’ haben wir dann im vergangenen Jahr mit der Universität von Stellenbosch einen ‚Letter of Intent’ unterzeichnet, der unter anderem auch den Austausch von Studenten und Dozenten vorsieht.“

Man wisse natürlich, dass die hohe Gewalt- und Kriminalitätsrate in Südafrika so manchem potentiellen Interessenten abschrecken könne. Deshalb habe man auch den Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Kapstadt, Hans-Werner Bußmann, nach München eingeladen, damit er hier vor Ort Werbung für das Westkap mache. Als nächste Schritte nennt Beckmann die Antragstellung und das Fund Raising. „Einschließlich des Gehalts für 1,5 Stellen gehen wir von einem Budgetbedarf von rund 70 bis 80 Tausend Euro pro Jahr aus.“
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