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Kap Depesche

Ludger Poth Ludger Poth
Foto: Andries Joubert

Liebe Leserinnen und Leser,

Meine Freunde und Bekannte sind hilfsbereit.

Wenn sie nach Europa reisen bitte ich stets, gewisse Delikatessen und Leckereien mit nach Kapstadt zu bringen.

Gaumenfreuden, die es bei uns nicht oder sehr selten gibt. Ihnen geböhrt daför Dank.

Weshalb ich nicht einmal wieder in die alte Heimat fliege und  ausführlich für meine Bedürfnisse schoppe? Die Antwort ist simpel: Weil ich es schätze, als Passagier behandelt zu werden und nicht als mögliches Sicherheitsrisiko.

Die Entscheidung, Flugreisen, vor allem interkontinentale zu vermeiden fiel vor einiger Zeit, als mein Zigarrenabschneider an der Sicherheitskontrolle konfisziert wurde. Er hatte 250 Euro gekostet.  Alles hatte ich im aufgegebenen Gepäck verstaut. Schweizer Taschenmesser, Leatherman, Nagelschere- und Reiniger. Die ganz normalen persönlichen Utensilien, die schon lange beim Betreten einer Flugzeugkabine aus Hosentaschen und Handgepäck verbannt sind. Aber, ein Zigarrenabschneider?

Mein Hinweis an den Sicherheitsbeamten, ein solches Instrument sei schließlich nicht an der Wandtafel mit den gefährlichen Gegenständen aufgeföhrt, wurde köhl ignoriert. Meine Frage, ob man beförchte, ich wörde den Piloten mit seinem kleinen Finger in meinem Zigarrenabschneider zu einem Kurswechsel för einen Zigarreneinkauf nach Kuba zwingen, erwirkte nicht einmal ein Schmunzeln auf den Gesichtern dieser humorbefreiten Vasallen an den Separationsrampen von Flughäfen. Ob Osama bin Laden und seine Al Queida Schergen wohl Havannas rauchen? Präsident Obama und seine farblosen Anzugträger im Weißen Haus mit Sicherheit nicht.

Sie bemerken, mein Groll ist noch nicht verflogen. Und ich bin lange nicht nach Europa geflogen, weil ich in den vergangenen Jahren vorzugsweise die Nachbarländer Südafrikas erkundet habe.

Es ist deshalb fein, verständnisvolle Freunde zu haben. Denen ist in jüngster Zeit aufgefallen, dass meine gelegentlichen Einkaufslisten kürzer geworden sind. Der Grund ist ein Kompliment an unsere Feinkostgeschäfte in Südafrika sowie die europäischen Einwanderer, die in den nach Jahren Ende der Apartheid in Scharen an das Kap der Guten Hoffnung kamen.

Die beharrlichen Nachfragen der neuen Immigranten bestimmen das heutige Angebot in südafrikanischen Geschäften. Wer zum Beispiel vor 16 Jahren nach Foie Gras fragte, einen Leib Ciabatta erwerben wollte,  einen Tete de Moine verlangte, nach einem Oldenburger Roggenbrot suchte oder unverschämt nach Trüffeln fahndete, riskierte wegen der Verbreitung von Obszönitäten arretiert zu werden. Heute geht auch Südafrikanern die Namen solcher Delikatessen akzentfrei von der Zunge und sie genießen die importierten Leckereien aus Frankreich, Italien, der Schweiz, Deutschland und anderen europäischen Ländern

Völkerwanderung, gleich in welche Richtung bringt neue kulinarische Genüsse in andere Länder. In meiner ehemaligen Heimat Deutschland zum Beispiel waren es in den 60er Jahren die Gastarbeiter, wie sie damals genannt wurden: Italiener, Griechen, Türken und Jugoslawen. Der Migration verdanken wir das gegenseitige Verständnis und den Genuss verschiedener Küchenkulturen

Südafrika blieb das lange verschlossen. Obwohl Kapstadt  seit der ersten Besiedlung 1652 immer ein kultureller Schmelztiegel war.  Holländer, Franzosen, Malaien, Inder, Chinesen, Engländer, Iren, Schotten, Deutsche, Italiener, Griechen, Spanier und Portugiesen  und viele andere kamen ans Kap und prägten die Kapküche. Dann kam die Apartheid. Ex- und Import waren ebenso eingefroren wie der Austausch frischer kulinarischer Ideen. Südafrika köchelte im Saft vergangener Jahrhunderte. Bis zwei Männer die politischen Verhältnisse änderten und auch den Gourmets alle Freiheiten gab.

Enkosi,
Nelson Mandela
Baie Dankie,
FW de Klerk

In diesem Sinne
Ihr
Ludger Pooth

 

Last modified on Freitag, den 21. Januar 2011 um 12:45 Uhr
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