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Met-Nordmanns Trunk aus Afrika

Hilko Hegewisch          Hilko Hegewisch
Foto: Andries Joubert

Von Luder Pooth - Sie waren raue Rabauken und kühne Seefahrer. Die Wikinger überfielen ohne Gnade fremde Küsten. Vor und nach jedem Beutezug floss Met, der Honigwein in Strömen.

Das Getränk der wilden Nordmänner vor über 1500 Jahren. Die Stämme Afrikas schlürfen Met schon seit 20.000 Jahren. Nicht jede Entdeckung ist europäischen Ursprungs. Ein Kellermeister aus Namibia keltert nun südafrikanischen Met in französischen Eichenfässern. Skol!

Da steht er zwischen den Orangenbäumen und grinst verschmitzt. Hilko Hegewisch schenkt ein. Ein leerer Bienenstock dient als Tresen. Golden schimmert der Honigwein im Glas. "Ihr dürft probieren", sagt Hegewisch und blickt neugierig in unsere Gesichter. Klar, die Nase nimmt sofort Honig auf. Auch der Gaumen. Nicht zu süß, auch nicht zu trocken. Ein Hauch von Säure bringt die Frische. Süffig.

 Der zweite Schluck spült Erinnerungen an frühere Wikingerfeste und Germanische Fünfkämpfe in norddeutschen Dörfern hoch. In den Trinkhörnern schwappte eine klebrige Lorke, die einen harzigen Nachgeschmack hinterließ. Und einen Schädel am folgenden Morgen als hätte Thor mit dem Hammer zugeschlagen.

 Hilko Hegewisch lacht und schenkt nochmals nach: "Vielleicht habt ihr Nordgermanen ja keine Ahnung vom Met." Das Glas wird geleert, eine verschämte Ausrede nachgereicht: "Aber dafür haben wir Germanen klasse Bier." Hilko nickt, schließlich ist er aus Namibia, der ehemaligen Kolonie Deutsch Südwest Afrika. 

 In der Weinregion Franschhoek, westlich von Kapstadt macht Hegewisch den Kellermeister auf Solms Delta. Besitzer ist der renommierte Neuropsychologe 

Mark Solms, eigentlich von Solms, worauf er aber keinen Wert legt. Ein außergewöhnlicher Mensch. Mit adeligem deutschen Stammbaum und einer Neigung zu ungewöhnlichen Projekten.

 Als Mark Solms das Weingut 2002 kaufte ließ er zuerst Archäologen kommen. Sie gruben die Geschichte des Gutes aus, die der schwarzen und farbigen Arbeiter. Letztere beteiligte der noble Gehirnforscher anschließend mit 50 Prozent an Solms Delta. Die Weinstube ist heute zugleich das Museum des Gutes.

Jemanden wie Mark Solms brauchte Hilko Hegewisch nicht lange zu überzeugen."Kannst Du morgen damit beginnen, fragte er schlicht, als ich ihm von meiner Met Idee erzählte", berichtet Hegewisch. Mark Solms gab seinem Kellermeister ein großzügiges Budget und der legte los. Das erklärte Ziel: Die Renaissance des Met!

 In seinem Weinkeller hat er nun französische Eichenfässer, in denen kein Wein ruht sondern Met. Für acht Monate. "Es ist kein Honigwein, wie Met genannt wird", stellt Hegwisch klar. "Denn Wein wird ausschließlich aus Trauben gekeltert." Da ist der Kellermeister strikt. "Met ist in Wasser aufgelöster und natur vergorener Honig."

Der Küchenchef vom guteigenen Restaurant "Fyndry" kann vom Met nicht genug bekommen. "Es paart sich bestens mit den würzigen kapmalaiischen Gerichten."

 "Karri" nennt Hilko sein Met, nach dem alten Wort "X`ari" der Khoisan, der Buschmänner mit ihrem Klicklaut. Den können Europäer nur als K aussprechen. "X¬¨¬•ari" ist ein Baum, der im Frühjahr als erster blüht und die Bienen lockt. Die Khoisan Nomaden waren es, die den Met vor fast 20 000 Jahren entdeckten.

 "Elefanten brechen √Ñste und Bäume. In den Aushöhlungen lassen sich Bienen nieder", lehrt Hegewisch. "Sie produzieren Honig. Dann kommt die Regenzeit", fährt er fort. "Und irgendwann ist einem Buschmann ein süßer Tropfen auf die Lippen getropft." Quod erat demonstrandum. Met ist afrikanisch!

 In Europa ist Met längst zum Nischengetränk geworden. Honig ist knapp, die Bienenvölker schrumpfen. In Afrika nicht, vor allem nicht in Ostafrika. In Botswana, Sambia, Kenia, Tansania, Mosambik bis hoch nach √Ñthiopien wird mehr Met getrunken als Bier. Allerdings nur in der Stammesbevölkerung, wie Hilko Hegewisch herausgefunden hat. Jede afrikanische Nation hat ihr Met. Die berühmtesten sind "Tej" und "Meis", mit Kräutern versetzter Met aus √Ñthiopien. 

 Ist doch klar. Hegewisch ist dorthin geflogen, hat sich beraten und schlau gemacht:  "Die √Ñthiopier brennen sogar Met zu Schnaps!" Hilko Hegewisch ist voller Tatendrang. "Alles ist möglich mit Met, auch Bier und sogar Sekt!" Zunächst beobachtet er jedoch in seinem Weinkeller die Entwicklung in den 20 Behältern, in denen seit fünf Monaten Met mit verschiedenen Kräutern und Gewürzen ruht.

 Wir dürfen schnuppern. Das ist zum Beispiel Ingwer, Chili, Muskat, Rosmarin, Koriander und sogar Mandarine. Die Nase fährt Karussell. 20 verschiedene Aromen im Met. Der Kellermeister hat schon wieder dieses verschmitzte Grinsen um die Backen. Kein Zweifel. Das alkoholische Honiggetränk hat Zukunft. Europäer aufgepasst! Hier kommt Hilko Hegewisch mit Met aus Afrika.

 www.solms-delta.co.za

 

Last modified on Freitag, den 21. Januar 2011 um 12:09 Uhr
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